Kappadokien Zum Zweiten

Inzwischen ist wieder ein bisschen was passiert, daher ein weiterer Einschub. Diesmal gibt es mehr Kappadokien. Demnächst folgt dann wohl was über Istanbul und Workshops…

Nach der netten Woche über Kurba Bayramı beschlossen wir, zusammen mit ein paar von den Leuten aus Antep nach Kappadokien zu fahren, zwei Wochen später. Ich endete als Organisator des Trips. Und wie das immer so ist gab es natürlich keine definitiven Rückmeldungen. Drei Tage vor dem Wochenende stellte sich dann raus, dass doch nur Adinda mit uns fahren würde, der Rest der Truppe wollte/konnte nicht. Ok?

Also dann nur Denizhan, Therese, Adinda und ich. Das macht zumindest Konsensfindung erheblich einfacher…

Hin wollten wir per Anhalter. Denizhan war noch nie per Otostop unterwegs, wir wollten ihm also gerne die Sicherheit, den Komfort und die Geschwindigkeit unserer Lieblingsreisemöglichkeit näherbringen. Der ursprüngliche Plan war, so gegen 15.00 loszukommen. Dummerweise war Denizhan auf Grund von Freiwilligenarbeit dann aber ein Stündchen zu spät, so dass wir erst gegen vier loskamen. Dann mussten wir erst einmal aus Ankara raus, bis nach Gölbaşı mit dem Dolmuş. Es war jetzt schon dämmrig, wir wollten also ein bisschen probieren und notfalls doch den Bus nehmen. Dann hielt doch ein netter Herr für uns. Es ist doch echt praktisch, einen Türken dabeizuhaben – der Smalltalk fiel für mich weg, auch wenn Denizhans Ohr später leicht angekaut aussah.

Unser Fahrer war ein netter Kerl Ende 20 – Anfang 30 mit einem Hang zum rasanten Fahren. Wir reden von 180 bei unbeleuchteter Straße bei Nacht. Die Straße war gut, aber keine Autobahn. Es gab hinten keine Anschnallgurte. Irgendwann drehte er sich dann um und fragte, ob wir Angst hätten, mit breitestem Grinsen. Natürlich nicht!

Als wir dann in seinem Dorf ankamen, war es schon dunkel, daher wollten wir dann von da einen Bus nehmen, Gab es aber dummerweise nicht. Er war aber so nett, uns noch einige Kilometer weiterzufahren, in ein anderes Dorf. Von da gab es aber auch keine Busse. Autsch. Ich hatte leider völlig unterschätzt, wie schnell es im Herbst/Winter dunkel wird und wie wenig Busverbindungen es abends gibt.

Naja, an einer Tankstelle versuchten wir dann unser Glück und wurden auch sehr schnell von einem älteren Herrn mitgenommen. Er wohnte in Kirşehir, hatte aber vorher zwei Straßen weiter von unserem Apartment gewohnt. Sehr freundlich, sehr hilfsbereit – fuhr uns einmal komplett durch Kirşehir auf der Suche nach einem Bus. Stellt sich raus, nach 19.00 fährt einfach nichts mehr nach Nevşehir. Die beiden Städte sind ca. 80 km voneinander entfernt, haben jeweils knapp 100 000 Einwohner und es gibt am Freitagabend keinen Bus mehr. Ernsthaft?

Ok, hitchhiken wir halt weiter. Oh nein, unser Fahrer bringt uns noch bis zur Überlandbusraststätte, von da sollte sich was finden. Natürlich auch da nichts, also auf und Daumen raus.

Das war unserem Fahrer dann zu gefährlich, also fuhr der Irre uns bis nach Nevşehir – 80 km in eine Richtung! Ich danke imaginären höheren Kräften für türkische Beschützerinstinkte… Und natürlich wollte er kein Geld akzeptieren, nicht mal für Benzin. Aber Postkarten kriegt er von uns! Von Nevşehir mussten wir dann ein Taxi nach Göreme nehmen, aber immer noch deutlich billiger als der Bus. Vielen, vielen Dank, beschützerischer türkischer Bibliothekar!

In Göreme trafen wir dann Adinda, die eine lange Busfahrt inklusive geschwätziger Türkin hinter sich hatte. Wir waren halb verhungert, also noch schnell Essen reinschieben und dann ab ins Bett, wir wollten am nächsten Tag schließlich einiges wandern. Zum Frühstücken plünderten wir den lokalen BIM für Olivenpaste, Feta, Brot und Trockenfrüchte und Getränke. Bei szenischer Aussicht auf Steinpenisse kam dann ein Herr vorbei und wünschte uns guten Appetit. Dann ging er weg und kam mit ein paar kleinen Äpfeln wieder. Dann mit Trauben. Dann mit einem Gästebuch. Dann konnten wir in Ruhe frühstücken. Danach half er uns noch bei der Wegfindung, und wir machten uns auf Richtung Rose Valley.

Am späten Nachmittag waren wir dann mit Hilfe von erfolgreichem Hitchhiken in Ürgüp, bekannt für weitere Steinpenisse und Wein. In einem lokalen Weinhaus konnte Therese dann endlich vernünftigen Wein testen, ich auf Grund von Antibiotika nicht. Denizhan und Adinda waren an trockenem Rotwein auch nicht wirklich interessiert… Abends genossen wir dann noch Bier bzw. Limo hoch über Göreme…

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Am nächsten Morgen sollte es dann enorm früh los gehen, um 5.00 würden wir für die Ballonfahrt am Hotel abgeholt werden. Uh. Im Büro der Ballonfirma gab es dann ein bisschen Frühstück, Kekse, Poğaca, Kaffee, Tee. Dann in Minibusse zum Abflugort. Hier standen etwa fünf Ballons rum, in der Umgebung waren noch einige mehr sichtbar. Gigantische Gasflammen füllten die Kugeln langsam mit Luft, alles schön bunt. Wir waren 20 Leute in unserer Gondel, wir vier hatten also noch eine Dame in unserem Abteil. Grade genug Platz, um sich halb umzudrehen. Dann Abflug, alles sehr sanft und gemütlich. Um uns herum waren schon ein gutes Dutzend in der Luft, und mit der Zeit wurden es einfach immer mehr. Am Ende waren mehr als 50 Ballons in der Luft, alle um Göreme herum. Das da nicht was passiert ist echt ein Wunder, aber die Ballonleute haben das anscheinend ganz gut drauf. Dann ging es eine Stunde rauf und runter, näher an die Felsen und dann wieder hoch. Währenddessen ging die Sonne auf, unglaublich schönes Licht. Zwischendurch immer der Gasbrenner, der alles andere übertönte, dann der Pilot, der irgendwas auf Türkisch erklärte. Und immer wieder „Oooooh“ und „Aaaaah“. Lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn es nicht billig ist… Wir haben 90€ p.P. bezahlt.

Nach dem obligatorischen Weißweingläschen (wieso kein Champagner?) ging es wieder zum Hotel. Die Damen machten sich dann auf den Weg zu ihrer Tour, während Denizhan und ich nach Çavuşin wanderten. Dort schloss sich uns ein streunender Hund an, den Denizhan kreativ „Buddy“ taufte. Buddy mochte uns definitiv sehr gerne, da er uns die nächsten 2-3 Stunden folgte – und das auf einer ziemlich kraxeligen Route. Süßer Hund, spaßige Wanderung. An einigen Stellen standen wir plötzlich auf der Kante, neben uns ging es 60m runter. Wir folgten einer Art Wanderweg, auch wenn das Ganze nicht wirklich offiziell aussah und wir uns einige Male verliefen.

Irgendwann trafen wir dann ein älteres deutsches Pärchen mit ihrem türkischen Wanderführer. Sie boten uns an, sich ihnen anzuschließen, was wir dann auch gerne annahmen, da der Führer eine sehr szenische Route versprach. Hat man auch selten, einen eigenen Wanderführer… Und tatsächlich, Paşabağı hat die wohl beeindruckendsten „Fairy Chimneys“ der Region, da werde ich nächstes Mal wohl weiterwandern.

Die Fotos hat leider Denizhan, da ich meine Kamera nicht dabeihatte… Werden hoffentlich nachgeliefert.

Danach ging es dann wieder per Anhalter zurück nach Göreme, wo wir dann bei ein paar Keksen auf die Mädels warteten. Zum Abendessen gab es Pide, dann setzten wir Adinda in ihren Bus. Wir drei mussten aber noch fast fünf Stunden in Göreme warten… Und wir waren hundemüde. Etwas Adrenalin gab es dann noch, da Therese ihre Handtasche verloren hatte – mit Pass, Geld, Kreditkarte usw… Zum Glück fanden wir die dann im Hotel wieder. Mit ein bisschen Tee und Kuchen kriegten wir dann noch die Zeit rum und waren dann gegen 5.00 am Montag wieder in Ankara. Schönes Wochenende!

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